Jüdische Kunst im Sprengelmuseum

Wer jüdische Kunst von ihrer faszinierendsten Seite erleben möchte, der hat im Sprengel Museum in Hannover schon bald die Gelegenheit dazu. Vom 04.12.2019 bis zum 29.03.2020 findet da nämlich eine Ausstellung mit Werken des jüdischen Künstlers Jussuf Abbo statt. Darunter sind nicht nur Skulpturen und Zeichnungen zu finden, auch interessante Grafiken werden den Besuchern zugänglich gemacht. Dabei musste der aus Palästina stammende Künstler viele Schicksalsschläge verarbeiten. So tragisch wie sein Leben, verlief dann auch sein Tod. Zunächst einmal studierte Jussuf Abbo ab dem Jahr 1913 nach Vermittlung des deutschen Architekten Otto Hofmann an der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Charlottenburg. Otto Hofmann erkannte das Talent von Jussuf Abbo und durch sein Studium der Malerei und Bildhauerei konnte Jussuf Abbo seine Fähigkeiten weiter verfeinern. Zu seinen Freunden gehörten Kurt Schwitters und Else Lasker-Schuler, die ihm eigens ein Gedicht widmete. Er stellte seine Werke in der Galerie von Garvens in Hannover und in der Hannoverschen Sezession aus und bekam sehr viel Zuspruch für sein Schaffen.

 

 

08 Steinitz, Käte Steinitz, Der Bildhauer Jussuf Abbo, 1930, Bromsilbergelatine, Blattmaß: 22,7 x 16,7 cm, Sprengel Museum Hannover, Schenkung Communities Foundation of Texas, erteilt von der Steinitz Family Art Collection, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover, © Steinitz Family Art Collection

Die letzten Jahre

Seine Werke wurden in den 1920er-Jahren vom Provinzialmuseum und dem Sammler August Nitzschner erworben. Nun werden diese Werke im Sprengel Museum in Hannover ausgestellt. Jussuf Abbo selbst konnte nicht länger in seiner Wahlheimat verweilen und ihm blieb als Staatenloser im Jahr 1935 mit seiner Frau Ruth Schulz nur noch die Flucht nach London. Künstlerisch konnte er hier nicht mehr an seine frühere Erfolge anknüpfen, zumal er nach der Erledigung einiger Auftragsarbeiten sein Atelier während des Krieges nicht nutzen konnte. Vor Enttäuschung zerstörte er 1945 seine in England geschaffenen Werke. Er verarmte immer mehr, verfiel in Depressionen und starb schließlich 1953 als körperlich und seelisch zerstörter Mann völlig mittellos. Aus seinem Nachlass erhielt die Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde acht grafische Arbeiten von Jussuf Abbo als Schenkung. Hinzu kamen im Jahr 2019 aus der Sammlung von Ernst J. Kirchertz weitere 50 Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken. Der Exilkünstler geriet in Vergessenheit, doch jetzt lebt sein Schaffen wieder auf. Etwa 80 Werke werden im Rahmen der Ausstellung zu sehen sein und kuratiert wird die Ausstellung von Karin Orchard.

01 Abbo, Jussuf Abbo, Ohne Titel (Kopf mit erhobener linker Hand), 1921, Kohle auf bräunlichem Papier, Blattmaß: 62,5 x 51,5 cm, Sprengel Museum Hannover, Schenkung Dr. Ernst J. Kirchertz, Bad Münder (2019)

03 abbo, Jussuf Abbo, Weiblicher Rückenakt, 1918, Kohlezeichnung, Blattmaß: 43,4 x 34 cm, Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Niedersächsisches Landesmuseum, Hannover, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover, © Angela Abbo, Brighton

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